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Heischen im Frühling

KarwocheFranken, Oberpfalz, Eifel, Österreich, Schweiz: Hier ziehen Ratscher- und Klapperbuben (fränkisch: Glabberbubn, in der Eifel: Kläpperjungen), ausgerüstet mit Holzrasseln, Hammer-, Schubkarren-, Walzenratschen oder mit Flip-Flaps umher. Da die Glocken bekanntlich vor Ostern nach Rom fliegen, rufen die Jungs die Gläubigen mit Geratsche, Gerassel und lauten Sprüchen zum Gottesdienst: "Die Glocken sind stumm, sie hängen in Ruh. Wir Knaben singen und klappern dazu. Ave Maria!" Am Karsamstag dann werden die Kinder, heutzutage dürfen selbstverständlich auch die Mädchen mitmachen, mit Ostereiern für ihre Dienste belohnt. Das Einsammeln dieser Gaben bei den Hausfrauen gestaltet sich zu einem erneuten Heischegang.

Gründonnerstag, Südliche Oberlausitz (Raum Zittau): Am Gründonnerstag ziehen die Kinder von Haus zu Haus und singen das Bettellied: "Gut’n Morgen zum Gründonnerstag, gib mir was in ’n Bettelsack. Lass mich nicht so lange steh’n. Ich will ein Häus’l weiter geh’n. Kommt er nicht raus, kommt sie nicht raus, kommt der kleine Junge raus und teilt die ganzen Brezeln aus." Für den Bettelsack gibt es meist Süßigkeiten.

Ostermontag, Nordseeküste, Ostpreußen, Schlesien, Böhmen: Zum Schmagostern gehören junge Baumtriebe, Weiden-, Birkenruten und andere biegsame Zweige. Mit denen treiben die Kinder morgens die Erwachsenen aus den Betten, wobei sie rufen: "Schmackostern, Schmackostern! Drei Eier und ein Stück Speck, sonst geh ich hier nich wech!" Gerne lassen sich die Plagegeister auch mit Osterkuchen und Naschereien befrieden. Junge Burschen ziehen es vor, die Mädchen mit den Ästlein zu streicheln, nun ja, jedenfalls nicht zu arg zu schlagen. Es gilt als Schmach, derart aus dem Bett geworfen zu werden, weshalb die Erwachenden flugs versuchen, die Rute zu ergattern und nun ihrerseits Schläge auszuteilen. Besser kommt, wer sich durch Gaben auslöst. Ob sich der Name des Brauches vom niederdeutschen smacken = schlagen oder vom slawischen smagac = peitschen ableitet, ist ungewiss. Letztendlich ergänzen sie sich trefflich. An der Nordsee wird dieser Heischebrauch als Stiepern (von stieben = herumwirbeln oder stöbern = aufspüren?) bezeichnet.

PfingstenVinxel im Rhein-Sieg-Kreis: Hier veranstaltet der Junggesellenverein das Pfingsteiersammeln, bei dem sich die Burschen Eier (das Fruchtbarkeitssymbol schlechthin!) und Geld verschaffen. Eigentlich gehören weitere Zutaten, die zum Backen von Eierkuchen notwendig sind, zur Beute. Was fehlt, wird nötigenfalls dazugekauft.  Das reichhaltige Eierkuchenessen findet dann am Pfingstsonntag statt. Dazu gehört auch jede Menge Bier. Um die Sing-Stimmen geschmeidig zu halten. Ja, klar, nur deshalb! "Kommen wir in diesen Hof, Flieder und das Jüngelein, schläft die Frau, dann wecke me se noch, russ on e rein Blümelein, alles muss verzehret sein ... Die Jonge hann de Mai jesatz, Flieder und das Jüngelein, hann die Saach joot jemaach, russ on e rein Blümelein, alles muss verzehret sein ..."

Wasservögel; c/o Sylvia KochWasservögel

Nacht zum PfingstmontagBayerischer und Böhmerwald: Wichtigste Angelegenheit beim Wasservogelsingen ist wasserfeste Bekleidung. Burschen ziehen – ordentlich dicht und wie ein Federvieh verpackt – durch den Ort und singen: "Mia san so breslstrucka, ös wia a Ofaglucka." oder "D’ Wossavögerl muaß ma giaßn, sonst tuats as boid vadriaßn." Kurz gesagt, sie fordern heraus, begossen zu werden. Ein paar hausgemachte Gstanzl (bayerische Spottverse, die auf bestimmte Personen, hier die jeweiligen Hausbewohner, abzielen) runden den Spaß ab. Daraufhin werden die Burschen, stellvertretend für die Wasservögel, aus den oberen Stockwerken der Häuser heraus eimerweise mit Wasser begossen. Mit diesem Brauch wurde Wasser (= Regen) herbeigewünscht für eine reiche Ernte und auch dafür, dass es den Tieren gut gehen möge. Zum Dank bekommen die Sänger Eier, weitere Naturalien und Kleingeld. Letzteres und die Eier werden zum Abschluss des Heischegangs im Wirtshaus, während die Kleidung trocknet, verbraten. Mancherorts heißt der Umzug Pfingstvogelsingen.

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