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Kulinarisches Brauchtum zu Allerseelen

Augustinerstift Vahrn bei Brixen; c/o Sylvia KochAugustinerstift Vahrn bei Brixen

In Bayern gibt es den Seelenzopf. Das ist ein Gebildbrot aus süßem Roggenmehlhefeteig, das, grad heiß aus dem Backofen kommend, mit Honig bestrichen und gehackten Mandeln bestreut wird. Wieviel an Opulenz, also an Süßem, an Mandeln, Nüssen und Rosinen zum Seelenzopf gehört, ist eine Frage der Einstellung oder des Glaubens.  Aber dass der Hefeteig zum Zopf geflochten wird, ist wichtig. Stellt doch der Zopf das eigentliche Opfersymbol dar. Ursprünglich schnitten sich Frauen beim Tode des Gemahls ihre langen Haare ab. Später ersetzte ein Gebildbrot das Haaropfer.

Schwäbische Kinder bekommen eine Säle (Seele), ein Gebäckstück, dessen Form und Geschmack der Bäcker gestaltet. Und zwar im besten Glauben, wie er sich das Unvergängliche wohl vorstellt. Denn, wie genau das aussieht, weiß nun mal niemand.

Weitere Opfergebäcke zum Anlass sind die Seelennudeln, -wecken und -brezeln. Mit ihnen wurden früher arme Leute, Dienstboten und Kinder beschenkt, um sie zu mahnen, an die armen Seelen im Vorhof der Hölle und an ihr eigenes Heil zu denken. Genau das praktizieren die Schenkenden selbst, indem sie Seelenzöpfe verteilen.

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